Leseprobe „Als Julia in die Zeit stürzte“

Teil 1 – Karlsruhe 2015

1. Kapitel

Nein, nicht schon wieder. Paul schaute mich mit diesem Blick an, der mich das Schlimmste befürchten ließ.

Mein Herz klopfte Stakkato. Lass mich doch in Ruhe mit diesem Thema, flehte ich innerlich. Abwehr stieg in mir hoch und füllte alle Windungen meines Gehirns. Aber leider brachte ich keinen Ton heraus.

„Julia“, sagte er zögernd, wohl wissend, wie ich reagieren würde.

„Nein!“ Ich versuchte, meine Stimme energisch klingen zu lassen, konnte aber ein Zittern nicht unterdrücken.

Wir saßen im Palaver, einem gemütlichen kleinen Café am Lidellplatz. Gemächlicher Novemberregen tropfte auf das Dach des Wintergartens und die Stimmen der anderen Gäste drangen gedämpft an mein Ohr. Es waren junge Leute wie wir, die sich einen trüben Nachmittag mit Cappuccino oder heißer Schokolade versüßten.

Bis zu diesem Augenblick war die Stimmung perfekt gewesen – bis Paul wieder damit anfing.

„Lass uns in aller Ruhe darüber reden.“ Seine Stimme war leise, er wollte die Aufmerksamkeit der anderen Cafébesucher nicht auf uns ziehen. Aber für mich hallten die Worte wie in einem großen, leeren Saal und brachten meinen Kopf fast zum Platzen.

Allerdings hatte ich Paul bisher nicht begreiflich machen können, wie sehr mich dieses Thema aufwühlte. Jedes Mal, wenn er es anschnitt, verspürte ich so einen Widerwillen, dass es mir die Sprache verschlug. Ich wollte mich nicht näher damit befassen, nicht jetzt, ja eigentlich nie.

„Warum muss ich darüber reden?“, fragte ich ihn unwirsch. „Du zwingst mich zu Gedanken, die mir unangenehm sind! Die ich nicht will!“

„Das weiß ich doch, und das respektiere ich auch. Aber bitte versetze dich auch einmal in meine Lage. Ich möchte nur wissen, warum nicht. Ich habe das Gefühl, dass du mich in der Luft hängen lässt.“

Oh, Paul war immer so … logisch, sanft und verständnisvoll. Nie erhob er seine Stimme mehr als unbedingt nötig, was ich normalerweise schätzte. Mit seiner Gutmütigkeit und Ruhe war es ihm stets gelungen, mich in meiner Unrast aufzufangen. Nur heute, bei diesem besonderen Thema, ging es mir entschieden gegen den Strich, dass er im Recht war und ich im Unrecht. Und doch, oder gerade deshalb, musste ich ihn anfauchen.

„Lass es jetzt, Paul!“ Ich knallte die Tasse auf den Unterteller. Es kümmerte mich nicht im Geringsten, dass der Kaffee überschwappte und die Tischdecke mit hellbraunen Flecken überzog. Meine Hände zitterten. Ich verbarg sie in den Falten meines Pullovers.

Seine Lider sanken unmerklich nach unten und er wandte den Blick ab. Ich hatte gewonnen, zumindest für den Moment. Aber ein Gefühl des Triumphes wollte sich beim besten Willen nicht einstellen. Eher hinterließ die Auseinandersetzung einen Geschmack wie Galle auf meiner Zunge.

Schweigend tranken wir unsere Tassen aus. Ich nickte der Kellnerin zu, um zu bezahlen. Die gute Stimmung war dahin. Dabei hatte ich mich so gefreut auf unseren gemeinsamen Tag.

Paul half mir in den Mantel und wir verließen das Café. Regentropfen schlugen mir ins Gesicht. Ich fröstelte.

„Möchtest du nach Hause?“, fragte Paul schließlich und musterte mich. Es lag mehr in seinem Blick, als die harmlose Frage hätte vermuten lassen. Möchtest du weiter streiten?, konnte ich in seinen Augen lesen. Es war eine stumme Aufforderung, nochmals zu reden und die Sache zu klären, doch ich war verkrampft vor Anspannung. Auf eine weitere Auseinandersetzung hatte ich wirklich keine Lust.

„Hättest du etwas dagegen, wenn ich noch ein Weilchen zu Eva gehe?“, fragte ich leise und vermied es, ihn anzusehen. Ich fühlte mich grässlich, weil ich so grässlich zu ihm war, dennoch konnte ich mich im Moment nicht überwinden, nett zu ihm zu sein. Und mit ihm nach Hause gehen, das schon gar nicht.

Er schüttelte den Kopf, quälte sich ein Lächeln ab. „Geh ruhig“, murmelte er. Er zögerte, dann nahm er mich in den Arm, küsste mich auf die Stirn und wandte sich ab. Sein Mantel wehte bei jedem Schritt um seine Beine, weil er ihn trotz des Nieselregens nicht geschlossen hatte. Seine braunen Locken, die sich bei der feuchten Witterung noch mehr ringelten, wippten auf und nieder. Ohne sich umzusehen, schritt er die Straße hinab in Richtung Südstadt, wo unsere Wohnung lag.

 

 

2. Kapitel

Das Schlimme war, dass ich Paul verstand. Fast jedes Paar in unserem Freundeskreis beschäftigte sich mit diesem Thema. Einige hatten bereits Kinder. Nur in mir sträubte sich etwas hartnäckig dagegen. So sehr, dass ich jedes Mal, wenn er seinen Kinderwunsch zur Sprache bringen wollte, fast durchdrehte vor Panik.

Wir hatten heute unseren fünften Jahrestag feiern wollen, in unserem Lieblingscafé am Lidellplatz. Fünf Jahre, das war doch was. Geistesabwesend nahm ich die Brille ab und rieb sie am Ärmel trocken. Und nun? Paul war fort und ich stand hier, verstört und durcheinander.

Irgendwann rappelte ich mich auf und ging zur Straßenbahnhaltestelle am Kronenplatz. Der spontane Gedanke, Eva zu besuchen, gefiel mir immer besser und tröstete mich ein wenig über den verpatzten Cafébesuch hinweg. Ihr weiches Sofa und ein bisschen quatschen, das war genau das, was ich jetzt brauchte. Viel besser, als mir weiterhin ein schlechtes Gewissen von Paul machen zu lassen.

Eine Straßenbahn kam mit quietschenden Rädern um die Ecke gekurvt, und ich spurtete los. Gerade noch rechtzeitig quetschte ich mich durch die zufallenden Türen.

Ich ließ mich auf einen Sitzplatz fallen. Die Bahn war voll, und ich rümpfte kurz die Nase bei dem muffigen Geruch von regennassen Jacken und Stoffsitzen. Ich versuchte, nicht an Paul zu denken, aber es funktionierte nicht. Was machte er wohl jetzt? Ging er tatsächlich nach Hause? Oder ins Theater? Jemand von seinen Kollegen war immer dort, vor allem am Samstag. Ich seufzte und fixierte die Wassertropfen, die sich am Fenster zu Rinnsalen vereinten und schräg die Scheibe hinunterflossen.

Am Mühlburger Tor angekommen, sprang ich auf den Bahnsteig und ging eine Straßenecke weiter zu Evas Wohnung.

Ich drückte automatisch ganz links oben auf den Klingelknopf. Es dauerte nicht lange, da knisterte Evas Stimme aus der Sprechanlage und ich stieß ein heiseres „Hier ist Julia” aus. Sie war zu Hause, was für ein Glück. Bei ihr wusste man das nie so genau. Der Türöffner summte, und ich stieg die Treppen hinauf, drei Stockwerke.

„Mit dir habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet!“ Oben stand Eva in der offenen Tür. Sie trug eine weite schwarze Bluse mit gelben Sonnen darauf zu einer Leggings und sah aus, als hätte ich sie bei einem Fernsehabend auf der Couch gestört. Ihr Gesicht war ein einziges Fragezeichen. „Ich dachte, du gehst heute mit Paul groß aus? Oder hab ich mich im Datum geirrt?“

„Nein”, presste ich hervor.

Eva trat zur Seite. „Oh je, habt ihr euch gestritten?“ Mitleidig sah sie mich an. „Komm, ich mache uns jetzt eine große Tasse heiße Schokolade und dann erzählst du mir alles.“

Dankbar schlüpfte ich an ihr vorbei und hängte den inzwischen klitschnassen Mantel an die Garderobe. Meine Brille beschlug wieder, und genervt nahm ich sie ab. Auch meine nassen Hosenbeine trugen nicht dazu bei, mich aufzuheitern   .

Eva warf mir eine Jogginghose zu und verschwand in der Küche. Leise vor mich hinschimpfend wechselte ich die Kleidung. Eigentlich sollte ich jetzt zu Hause sein, mit Paul auf unserem Sofa. Wir hätten miteinander gelacht über unseren klitschnassen Aufzug, hätten uns nebeneinandergekuschelt …  ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.

In diesem Moment betrat Eva das Zimmer. „Mensch, Julia!“ Sie stellte rasch die zwei Tassen auf dem gläsernen Wohnzimmertischchen ab. Dann nahm sie mich in den Arm. „Ist es wieder – das Thema?“

„Ja!“ Heulend tastete ich in der Hosentasche nach Taschentüchern, bis mir einfiel, dass es ja Evas Jogginghose war.

Wortlos zog Eva eine Schublade auf und reichte mir ein Päckchen. Sanft drückte sie mich auf das Sofa. Ich zog die Beine hoch und ließ meinen Tränen freien Lauf.

Mit Eva war ich seit der Kindergartenzeit befreundet. Vor ihr brauchte ich mich nicht zusammenzureißen, was unheimlich erleichternd war. Schon immer hatte ich sie wegen ihrer Haare bewundert, lange, schwarze, dichte Engelslöckchen, die sich um ihr rundes Gesicht kringelten. Ihre ausgeprägten Kurven waren genau an den Stellen, wo sie nach Meinung vieler Männer hingehörten, wenngleich sie ziemlich üppig waren. Ich fand Eva sehr hübsch. An ihrer Seite fühlte man sich geborgen, weich und sicher.

„Also, Mädel, erzähle mal“, sagte sie mütterlich und ließ sich neben mich auf das Sofa sinken.

Endlich ließ der Tränenstrom nach. Ich hob den Kopf und wischte mir nochmals über die Augen. Unstet schweifte mein Blick durch Evas Wohnzimmer. Kerzen, wohin man nur schaute. Mindestens vier waren angezündet und verbreiteten einen milden Schimmer. Utensilien zum Räuchern standen ebenso bereit wie ihre Karten und ihr Pendel. An den Wänden hingen afrikanische Kunstwerke aus Holz und anderen Naturmaterialien, und den Boden zierten dicke, weiche Teppiche mit mystischen Mustern. Mein Blick verlor sich im Schein einer brennenden Kerze, die auf einem Beistelltischchen stand.

Ich seufzte tief. Dann griff ich nach der heißen Schokolade, die mir süße Linderung meiner Qualen versprach. „Er kann dieses Thema einfach nicht fallenlassen. Obwohl er versprochen hat, mir Zeit zu geben.“

Eva sah mich lange an. Dann sagte sie: „So ganz kann ich dich nicht verstehen, ehrlich. Ihr seid seit fünf Jahren zusammen. Paul liebt dich über alles. Und du liebst ihn auch, oder etwa nicht? Du hast einen sicheren Job, dort in deinem Reisebüro, und Paul ist auf dem besten Wege, ein Stardirigent zu werden. Ihr seid beide im richtigen Alter. Ach, was erzähle ich dir, du kennst ja meine Meinung. Wo ist denn da das Problem?“

„Ich will keine Kinder kriegen!“, brauste ich auf. „Ich möchte keine, ich will nicht! Ich habe Angst davor!“

Wir waren beide überrascht von meinem plötzlichen Ausbruch. Eva hob die Augenbrauen. „Du hast Angst davor? Warum?“

„Ich weiß nicht!“ Ich schüttelte den Kopf. So ganz die Wahrheit war das nicht. Ein Kind zu haben, stellte ich mir eigentlich schön vor. Es liebzuhaben, es zu umsorgen … so genau hatte ich darüber noch nicht nachgedacht, denn vor dem Kinderglück stand die Schwangerschaft mit einer Geburt am Ende. Und das flößte mir unerträgliche Furcht ein. Alleine der Gedanke, schwanger zu werden, schnürte mir sofort die Kehle zu. Daher hatte ich mir ein doppelt ausgeklügeltes System ausgedacht, nur ja keine Pille zu vergessen. Eine Spirale wäre meine zweite Wahl gewesen. Aber ich hatte eine irrationale Angst, dass sie verrutschen könnte, obwohl mir meine Frauenärztin versichert hatte, dass das niemals der Fall sein könnte. Jedenfalls beruhigte mich der Akt des täglichen Pillenschluckens. So hatte ich das Gefühl, die vollkommene Kontrolle über meinen Körper zu haben. Noch nie hatte ich eine vergessen. Wenn ich doch mal unsicher war, schluckte ich lieber zweimal eine.

Eva nippte an ihrer Schokolade und schaute mich über den Tassenrand hinweg an. „Paul geht auf die dreißig zu, du auch. Ich kann schon verstehen, dass er sich eine Familie wünscht. Und ganz ehrlich, er ist ein wunderbarer Mensch, er würde alles für euch tun …“

„Rede nicht, als wären wir schon zu dritt!“, rief ich panisch.

„Ich will dich ja keineswegs dazu drängen. Aber ernsthaft, wenn du dich so gegen diesen Gedanken sperrst, dann musst du dir überlegen, ob die Beziehung mit Paul das Richtige für dich ist. Das geht nun schon eine ganze Weile so. Ständig beschwerst du dich darüber, dass er dich nervt mit seinem Kinderwunsch.“

„Jetzt fall du mir nicht auch noch in den Rücken!“ Es klang weinerlicher als ich es wollte. „Warum kann es nicht einfach bleiben, wie es ist? Paul und ich – warum muss da noch ein Kind sein? Wir haben ein wundervolles Leben zu zweit. Reicht ihm das nicht?“ Wieder fing ich an zu schluchzen.

„Die Krönung einer Liebe ist nun mal ein Kind“, meinte Eva sanft. „So sagt man zumindest. Und dass Paul sich Kinder wünscht – wundert dich das?“

„Ich kann doch nichts dafür, dass er aus einer Großfamilie stammt!“

„Genau das ist es, was ich meine – obwohl ihr euch gut versteht, seid ihr in diesem Punkt wohl anders gestrickt. Und das ist meiner Ansicht nach ein entscheidender Punkt.“

„Willst du damit sagen, dass ich mich von Paul trennen soll?“ Ich fuhr hoch und starrte sie an, nur um gleich darauf den Blick zu senken. Bei dem Gedanken fing mein Herz an zu rasen und ich hätte mich am liebsten komplett in Tränen aufgelöst. Mühsam schluckte ich den aufsteigenden Kloß im Hals hinunter und tupfte mit dem Taschentuch über meine Augen. Langsam dämmerte mir, dass dieses Problem nicht von alleine verschwinden würde. Es half nichts, Paul hinzuhalten, so  wie ich es bisher getan hatte. Ich steckte in einem furchtbaren Dilemma. „Nein, niemals, das kommt nicht in Frage! Aber ein Kind – nein, das will ich auch nicht!“

„Sagen wir es mal so: Ein Kind zu haben, ist natürlich eine große Verantwortung. Ich kann Paul zwar verstehen mit seinem Kinderwunsch, dich umgekehrt aber auch. Man muss keine Kinder haben, um ein erfülltes Leben zu führen.” Wieder trank sie einen Schluck Schokolade. Sie wirkte nachdenklich.

„Das ist es ja!”, rief ich aus. „Es geht auch ohne Kinder!”

Sie schüttelte langsam den Kopf. „Versteh mich nicht falsch. Ich versuche herauszufinden, wie ich dir helfen kann. Du hast echt Glück mit Paul. Er sieht gut aus, ist liebenswürdig, verdient genug … aber wenn ihr euch nicht einigt, wird immer einer von euch unglücklich sein. Könntest du dir nicht vielleicht doch vorstellen …?”

Heftig schüttelte ich den Kopf. Meine Fingerspitzen wurden weiß, so fest umkrallte ich meine Tasse.

„Einer von euch wird nachgeben müssen, wenn ihr zusammenbleiben wollt. Vielleicht sollten wir einmal ernsthaft darüber reden, warum du kein Kind willst?  Bisher hast du immer nur herumgejammert.” Sie grinste kurz. „Entschuldige, Julia, aber so ist es. Jetzt mal ohne Ausflüchte. Es gibt immer Gründe dafür, wenn man irgendetwas partout nicht will. Überleg mal ernsthaft, woran es bei dir liegen könnte. Du sagst, du liebst Paul. Also. Warum möchtest du dann kein Kind mit ihm?“

Ich rieb mir mit der Hand heftig über die Stirn. Innerlich wand ich mich in Qualen.

Hilfreich fragte Eva: „Möchtest du ihn nicht mit einem Baby teilen?“

Ich sah auf. „Nein, das ist es nicht. Seine vielen Geschwister sind ja auch oft da, und er hat eine enge Beziehung zu ihnen. Ich sehe ja auch, wie wichtig sie für ihn sind. Das ist doch schön, nicht? Manchmal bin ich fast ein bisschen neidisch, so ganz ohne Geschwister.“

„Wenn es das nicht ist, möchtest du vielleicht deine Bequemlichkeit nicht aufgeben? Dein schönes, sorgloses Leben mit ihm zu zweit?“

„Nein“, sagte ich entschieden. „Unser Leben ist zwar schön, wie es gerade ist. Aber ich wäre bereit, es zu ändern, wenn es sein muss. Nur eben ohne Kinder.“

„Magst du Kinder nicht? Quatsch, du bist ja oft genug bei mir in der Schule, also mit ihnen umgehen kannst du schon einigermaßen.” Eva lächelte. Es stimmte. Ihre kleinen Erstklässler liebten mich innig. Und ich musste zugeben, die kleinen Mädchen und Jungen waren echt entzückend. Es war nicht so, dass ich Kinder nicht mochte.

„Was dann? Vorhin sagtest du, du hättest Angst. Wovor? Dass dir die Schwangerschaft die Figur ruiniert?“

„Hm, nein, meine Figur, ach lass mal, da ist nicht viel zu ruinieren.“ Ich sah an mir hinab. Ich war schlank, fast schon mager, ein schräger Kontrast zu Evas üppigen Formen. Eine Schwangerschaft würde da nicht helfen, außer dass der Bauch sich rundete. „Aber eine Schwangerschaft“, grübelte ich und verzog das Gesicht, „macht mir irgendwie Angst.“

„Aha.“ Eva nickte zufrieden mit dem Kopf. „Wir kommen der Sache näher. Erzähl mal, was findest du daran abstoßend?“

„Nicht abstoßend“, wehrte ich ab, doch auf meiner Stirn bildeten sich kleine Schweißtröpfchen. Verdammt, was war mit mir los? „Ich will einfach nicht daran denken, okay?“

Jetzt sah mich Eva nachdenklich an. „Vielleicht hast du irgendwann ein Trauma erlebt. Als du im Bauch deiner Mutter warst. Möglicherweise liegt es daran.“

„Quatsch!“ Ich kannte Evas Hang zum Esoterischen. Eva legte sich oft selbst die Karten und hätte es auch gerne für mich getan. Doch ich ließ mich nie darauf ein. Dazu war es mir zu unheimlich. Denn ein kleiner Teil von mir war nicht völlig davon überzeugt, dass dies alles Humbug war.

„Vielleicht sollte ich …“, begann Eva, doch ich unterbrach sie schnell.

„Nein! Bitte nicht. Ich möchte weder Karten ziehen noch irgendwelche anderen esoterischen Dinge machen“, wehrte ich mich lahm.

Bedauernd schüttelte sie den Kopf. Ihre schwarzen Ringellöckchen wippten drohend hin und her. „Aber du musst der Sache auf den Grund gehen, Julia, sonst wirst du Paul verlieren. Das kann ich dir auch ohne Karten vorhersagen.“